Zum Start ins neue Jahr haben wir den Landesvorsitzenden der FDP Bayern, Dr. Michael Ruoff, um eine Einordnung aus Sicht des Mittelstands gebeten. Im letzten Newsletter haben wir die Fragen geteilt – jetzt ist die Antwort da.
Viele mittelständische Unternehmer starten mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr.
LIM: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste politische Botschaft für den Mittelstand zu Beginn von 2026?
MR: Deutschland krankt an Wachstumsschwäche, Europa an weltpolitischer Bedeutungslosigkeit. Beides gefährdet unseren Wohlstand. Aber wir können diese Schwächephase überwinden, wenn wir uns wieder auf das besinnen, was unser Land stark macht: Freiheit, Rechtsstaat und Marktwirtschaft! Ein wirtschaftlich starkes Europa wird auch weltpolitisch an Gewicht zulegen. Nur so können wir unsere Sicherheit verteidigen und eine starke Rolle in der Welt spielen, um uns für Freiheit, Demokratie, Marktwirtschaft und Freihandel einzusetzen.
Der Liberale Mittelstand spricht in seinem Neujahrsimpuls von einem „Weckruf“.
LIM: Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf, damit der Mittelstand wieder mehr Planungssicherheit und Zuversicht gewinnt?
MR: Die Liste politischer Hausaufgaben ist so lang, dass wir an vielen Stellen sofort anpacken müssen: Der Sozialstaat muss auf das richtige Maß reduziert werden: Ein Netz für schlechte Zeiten, das zum Neustart animiert. Wer hinfällt, soll wieder aufstehen. Die Aktienrente für die Altersvorsorge und mehr Eigenverantwortung bei Gesundheit und Pflege, damit die Lohnzusatzkosten nicht weiter steigen. Ich möchte zudem die Einkommensteuern senken und die Erbschaftsteuer abschaffen, damit wir die Staatsquote deutlich unter 40% senken. Das beste Wachstumsprogramm wäre eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts: Das bringt wirtschaftliche Dynamik und kostet keinen Cent. Dazu gehört auch die Abschaffung der unsäglichen Scheinselbstständigen-Regelung.
Bürokratie wird von vielen Betrieben als größte Belastung empfunden.
LIM: Was muss sich konkret ändern, damit unternehmerische Energie wieder stärker in Wertschöpfung statt Verwaltung fließt?
MR: Nervige und bremsende Bürokratie entsteht vor allem durch Berichts- und Dokumentationspflichten, bspw. zum Klimaschutz und zu Gehältern. Wenn wir endlich einsehen, dass effektiver Klimaschutz nur marktwirtschaftlich über Preise für Emissionszertifikate funktioniert, brauchen wir keine Berichte dazu. Und bei der Entgelttransparenz hilft die Einsicht, dass es viele Gründe für unterschiedliche Gehälter gibt, dann brauchen wir auch hier keine Dokumentation und Berichte. Das sind nur zwei Beispiele, die Liste lässt sich beliebig verlängern: Mehr Vertrauen in die Marktwirtschaft und Akzeptanz von Ungleichheit sind die Schlüssel für Bürokratieabbau.
Der Mittelstand investiert in Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung.
LIM: Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, damit dieses Engagement nicht ausgebremst, sondern gestärkt wird?
MR: Die oben angesprochene Flexibilisierung des Arbeitsmarktes würde gerade dem Mittelstand einen Vorteil verschaffen. Denn dort, wo der Chef noch alle Mitarbeiter kennt, ist die persönliche Beziehung ein wertbildender Faktor für Mitarbeiter und Betriebsklima.
Zusammenarbeit wird immer wichtiger – innerhalb von Betrieben, aber auch zwischen Wirtschaft und Politik.
LIM: Was kann Politik tun, um dieses Zusammenspiel verlässlicher und wirksamer zu machen?
MR: Wirtschaft und Politik könnten viel besser zusammenwirken, wenn das gegenseitige Verständnis tiefer wäre. Als Unternehmer in der Politik erlebe ich, dass Ergebnisse im politischen Raum weniger zählen als das richtige Narrativ. Politik ist unglaublich ineffizient, wenn man mit der Erwartung eines Unternehmers an Ergebnisse darangeht. Umgekehrt müssen Politiker besser verstehen, dass in der Wirtschaft nur Taten und Erfolge zählen, der gute Wille bringt nichts. Für dieses gegenseitige Verständnis braucht es mehr Unternehmer, die sich in der Politik engagieren. Ich will meinen Beitrag dazu leisten.
Viele Unternehmer wünschen sich weniger Steuerung und mehr Zutrauen.
LIM: Wo sehen Sie Möglichkeiten, Verantwortung stärker in die Betriebe zurückzugeben und Eigeninitiative zu fördern?
MR: Ganz einfach: Weniger Subventionen, weniger Steuern, ganze Gesetze einfach abschaffen, bspw. das Lieferkettengesetz. Wir brauchen das gemeinsame Verständnis, dass der Markt über Preise viel besser steuert als Bürokraten mit Verwaltungsakten. Deshalb „mehr Markt, weniger Staat“.
Zum Abschluss:
LIM: Welche Rolle spielt der Liberale Mittelstand aus Ihrer Sicht im politischen Dialog – gerade im Wahljahr 2026?
MR: Für mich ist der Liberale Mittelstand Impulsgeber, Antreiber, Sounding Board und eine wichtige Brücke für liberale Politik in die Gesellschaft. Die Veranstaltungen bringen viele spannende Persönlichkeiten zusammen, die das liberale Lebensgefühl von Freiheit und Selbstständigkeit auf ganz positive Weise verkörpern. Wenn wir das ausbauen, kann es unter Mittelständlern wieder cool und selbstverständlich werden, die Freien Demokraten zu wählen und zu unterstützen.
Das Interview führte Nicole Rauscher für den Liberalen Mittelstand Bayern.


