Fachsymposium in der Botschaft von Kasachstan – eine Bestandsaufnahme
Text: Christian Grosse Foto: Botschaft der Republik Kasachstan
In der Botschaft der Republik von Kasachstan fand in Berlin ein „Runder Tisch“ statt mit dem Thema: „Bildungs- und Wissenschaftskooperationen zwischen Kasachstan und Deutschland: Stand und Perspektiven“.
An der hochkarätig besetzten Veranstaltung nahmen Vertreter aus unterschiedlichsten Ministerien teil. Ebenso anwesend waren führende Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen aus der Bundesrepublik Deutschland, sowie Experten auf dem Gebiet der dualen und beruflichen Ausbildung.
Eingeleitet wurde das Symposium mit den Worten des Botschafters der Republik Kasachstan, S. E. Nurlan Onzhanov. Er wies darauf hin, dass das Jahr 2025 vom Präsidenten der Republik Kasachstan, Kassym-Schomart Tokajew, zum „Jahr der Arbeitsberufe“ erklärt wurde. Das oberste Ziel dieser Kampagne ist es, die technische und berufliche Bildung in Kasachstan umzugestalten. Gleichzeitig soll das Jahr der Fachberufe auch dazu beitragen, Werte wie Fleiß und Professionalität, zu fördern. Diese und weitere Komponenten sollen es ermöglichen, dass Kasachstan international weiter erfolgreich auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig ist. Dazu bedarf es hochqualifizierter Fachkräfte, um ein nachhaltiges industrielles Wachstum sicher zu stellen.
Einige der Hauptaufgaben, um die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Kasachstans voran zu bringen sind:
– Einführung bewährter internationaler Managementpraktiken
– Steigerung des professionellen Niveaus der Lehrkräfte
– Einführung internationaler Anforderungen (Standards in Bildungsprorammen)
– Förderung der akademischen Mobilität der Studierenden.
Besonders in folgenden strategischen Schlüsselbranchen werden in Kasachstan hochqualifizierte Fachkräfte benötigt. Dies sind: Metallurgie, Bergbauindustrie, Energie, Landwirtschaft, Informationstechnologien, Maschinenbau, Bauwesen, Leichtindustrie, Öl- und Gasindustrie (Raffinierung), Wasserresourcen (Hydrologie), Transport und Logistik, Nahrungsmittelproduktion.
In diesem Zusammenhang sprach der Botschafter über die dynamische Entwicklung der kasachisch-deutschen Partnerschaft im Bildungsbereich. Aber auch über die Bedeutung des Ausbaus der Zusammenarbeit im Bereich der dualen Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Weiter erläuterte der Botschafter diverse Kooperationen und Gründungen von Universitätsprojekten und erwähnte in diesem Zusammenhang die Kasachisch- Deutsche Agraruniver- sität in Türkestan. Diese Initiative wurde im Februar 2024 ins Leben gerufen. Sie zielt darauf ab junge Fachkräfte für die Agrarwirtschaft auszubilden, und somit gleichzeitig den Schwerpunkt Agrarwirtschaft in der Region zu stärken.

Landesvorsitzende Liberaler Mittelstand Berlin – Christian Grosse
Bevor die Diskussion mit Fachbeiträgen eröffnet wurde, wurde feierlich Prof. Dr. Rommel, Präsident der Deutsch – Kasachischen Universität (DKU) in Almaty, für seine Dienste und für seinEngagement der Deutsch – Kasachischen Bezie- hungen, geehrt. Der Botschafter verlieh, auf Beschluss des Staatspräsidenten Kassym-Schomart Tokajew, den Staatsorden „достық“ 2. Grades. „Dostik /достық“ bedeutet auf Kasachisch: Freundschaft. Es ist die höchste staatliche Auszeichnung, die in der Regel an ausländische Persönlichkeiten verliehen wird.
Der Präsident der Deutsch- Kasachischen Universität, Prof. Dr. Rommel, eröffnete die Diskussion und verwies in seiner Rede auf die geopolitischen Veränderungen. So, dass Zentralasien, und im besonderen Kasachstan, plötzlich im Fokus der Wirtschaft und der Öffentlichkeit steht. Als Präsident einer eher anwendungsorientierten Hochschule verwies Prof. Rommel auf die Wichtigkeit langfristiger Projekte, die gerade im Bereich der dualen Ausbildung eine große Rolle spielen. Das duale Ausbildungssystem ist ein in Deutschland entwickeltes Format, was international hohe Anerkennung findet. Es wird als duales System bezeichnet, da es an zwei Lernorten stattfindet: zu circa 70% im Betrieb und circa 30% in der Berufsschule.
Die Herausforderung dieses Systems ist es, unterschiedliche Ausbildungsformate miteinander in Einklang zu bringen. Und somit die Unternehmen davon zu überzeugen Geld in die Ausbildung zu investieren, um am Ende der Ausbildung hochqualifizierte Fachkräfte im Unternehmen zu halten.
Ein besonders wichtiger Aspekt in der dualen Ausbildung ist die Meister – Lehrlings – Beziehung. Diese muss sehr gut funktionieren, basiert auf Vertrauen und wird nach wie vor in vielen Unternehmen unterschätzt. Die duale Ausbil- dung ist mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert. So unter anderem, dass es gelingen muss, Unternehmen, sowohl auf deutscher als auch auf kasachischer Seite davon zu überzeugen, dass es sich lohnt dieses Ausbildungssystem zu unterstützen. Dazu bedarf es Vertrauen auf beiden Seiten.
Doch, so Prof. Rommel weiter, es lohnt sich, wenn man sich auf die Beson- derheiten einlässt. Insgesamt ist es aber wichtig, nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden, sondern auch die Basis muss gewährleistet sein. Dies bedeutet, dass der Elektriker ebenso wie der Mechatroniker ebenfalls an Ort und Stelle an den Hochschulen aufzufinden sein müssen. Die DKU wird zukünftig mit der AHK in Almaty enger zusammenarbeiten.

Preisverleihung mit S. E. Nurlan Onzhanov
Botschafter der Republik Kasachstan
Prof. Dr. Rommel – Präsident der Deutsch – Kasachischen Universität
In diesem Zusammenhang sprach der Botschafter über die dynamische Entwicklung der kasachisch-deutschen Partnerschaft im Bildungsbereich. Aber auch über die Bedeutung des Ausbaus der Zusammenarbeit im Bereich der dualen Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Weiter erläuterte der Bot- schafter diverse Kooperationen und Gründungen von Universitätsprojekten und erwähnte in diesem Zusammenhang die Kasachisch- Deutsche Agraruniversität in Türkestan. Diese Initiative wurde im Februar 2024 ins Leben gerufen. Sie zielt darauf ab junge Fachkräfte für die Agrarwirtschaft auszubilden, und somit gleichzeitig den Schwerpunkt Agrarwirtschaft in der Region zu stärken.
Als nächster Redner trat Peter Pfaffe auf, Vertreter von iMOVE und zuständig für die Region Zentralasien. „iMOVE – Training in Germany“, unterstützt deutsche Bildungsdienstleister auf ihrem Weg in internationale Märkte. Zudem fördert iMOVE die Fachkräftegewinnung für Deutschland. Es ist eine Initiative des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, angesiedelt beim Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb). Mit dem Slogan „Training – Made in Germany“ wirbt iMOVE im Ausland für deutsche Kompetenz in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Diskussionsrunde mit Experten aus unterschiedlichen Branchen
Der Referent stellte unter anderem die Frage in den Raum, wie eine engere Kooperation zwischen Kasachstan und Deutschland im Bereich der beruflichen Bildung möglich sein kann, getrieben durch privatwirtschaftliches Engagement. Er verwies darauf, dass nicht alles, was in Deutschland Berufsbildung betrifft, auch immer ein duales Ausbildungssystem sein muss. Viele standardisierte Ausbildungen finden ebenso in der Industrie statt aber auch im Handwerk.
Der Referent trug einige Zahlen, Daten und Fakten vor, um auf den enormen Stellenwert der Ausbildung in Deutschland hinzuweisen. Jährlich fangen ca. 1,2 Millionen junge Menschen in 327 Ausbildungsberufen ihre Ausbildung an. In Deutschland herrscht das Prinzip der sogenannten Beruflichkeit vor. Was bedeutet, dass die Ausbildungsberufe genau definiert sind. Somit sind ca. 5% aller Beschäftigten in Deutschland Auszubildende.
Die Erfolgsquote der Ausbildungsabschlüsse ist sehr hoch. Sie liegt bei 91%. Die Arbeitgeber spielen insgesamt eine wichtige Rolle. Von 2.2 Millionen Unternehmen werden in 408.000 Unternehmen Ausbildungen durchgeführt. Dies entspricht 19% aller sozialpflichtigen Betriebe in Deutschland. 77% aller Auszubildenden werden von den Unternehmen übernommen.

Prof. Dr. Rommel – Präsident der Deutsch – Kasachischen Universität
Als nächstes fand als zentrales Element des „Runden Tisches“ eine Podiumsdiskussion statt. Das Thema: „Duale und berufliche Bildung“. An der lebhaften Diskussion tauschten sich Experten über die Entwicklungsperspektiven des Berufsbildungssystems aus.
Tobias Bolle, Leiter der Internationalen Berufsbildung bei der DIHK, betonte, dass die DIHK ausländische Industrie- und Handelskammern und Delegationen bei der Umsetzung der dualen Ausbildung, dem Aufbau von Kompetenzen, der Entwicklung von Bildungsprogrammen und der Schaffung nachhaltiger Initiativen unterstützt. Er betonte die Bedeutung der Verbreitung des deutschen dualen Ausbildungsmodells, dass es Unternehmen und jungen Fachkräften in vielen Ländern ermöglicht, vom hohen Ausbildungsstandard zu profitieren.
Thomas Helm, Geschäftsführer der Eurasian Management Solutions GmbH, präsentierte die Ergebnisse seiner Studie über eine detaillierte Analyse des dualen Ausbildungssystems in Kasachstan. Dabei hob er sowohl die Stärken als auch dessen Schwächen hervor. Damit verbunden unterbreitete er diverse Verbesserungsmöglichkeiten.
Der Leiter des Bildungszentrums ERFURT, Frank Belkner, berichtete von einem erfolgreichen Beispiel der Zusammenarbeit zwischen seinem Bildungszentrum und kasachischen Einrichtungen. Er stellte seine positiven Erfahrungen mit der Integration deutscher Bildungsstandard dar.
Als letzter Redner sprach der Leiter der Politikabteilung der Firma Knauf, Christopher Dürr. Er berichtete über die Aktivitäten des Ausbildungszentrums der Firma Knauf in Kasachstan, das einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Berufsbildung in Kasachstan leistet. Ebenso berichtete Christopher Dürr über die Aktivitäten von Knauf hinsichtlich der Übernahme von Auszubildenden in seinem Unternehmen. Das oberste Ziel ist es immer die Auszubildenden nach der Ausbildung in das Unternehmen zu integrieren. Somit kann beispielsweise für das Unternehmen eine bessere Planungssicherheit gewährleistet und einem Fachkräftemangel vorgebeugt werden.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Frage-und-Antwort-Runde mit dem fachkundigen Auditorium, in deren Verlauf die Teilnehmer vielversprechende Bereiche der Zusammenarbeit und mögliche gemeinsame Projekte im Bereich der Hochschul- und Berufsbildung diskutierten.
Prof. Dr. Rommel erwähnte, dass es in Kasachstan eine Herausforderung ist, junge Menschen in Unternehmen zu halten. In den Bewerbungsunterlagen ist festzustellen, dass die jungen Menschen in Kasachstan sehr schnell wechsel- willig sind. Was für die Unternehmen wiederum bedeutet, dies zu verhindern. Stattdessen muss das Unternehmen seine Attraktivität steigern, um so die entsprechenden Fachkräfte von morgen an das Unternehmen zu binden.
Des Weiteren stellte sich in der Diskussion heraus, dass in Kasachstan die Familie einen sehr hohen Stellenwert hinsichtlich der Auswahl des Berufs eines zukünftigen Auszubildenden hat. So, dass es eine zusätzliche Aufgabe von Unternehmen ist, auch die Eltern in Gespräche mit einzubinden. Oft ist es den Eltern wichtiger, dass ihre Kinder arbeiten gehen sollen als eine Berufsausbil- dung zu absolvieren. Viele Haushalte benötigen jeden Tenge. So, dass in den Unternehmen überlegt werden muss, ein attraktives Vergütungssystem für Auszubildende in Kasachstan anzubieten.
Immer wieder kam das Thema der Weiterbildung ins Gespräch. Sozusagen als zusätzliche Ergänzung zum dualen Ausbildungssystem. Oder aber auch als Fortbildung zum bereits erworbenen Beruf. Es wurde kritisiert, dass viele Ausbildungsberufe zu lange dauern. Die Ausbildungszeiten könnten verkürzt werden. Damit jedoch die Qualifikation insgesamt nicht leidet, ist ein modula- res Weiterbildungssystem in der Diskussion. Wobei sich der Auszubildende mit diversen Zertifizierungen seinen Beruf peu a peu zusammenstellen kann.
Interessant in der gesamten Diskussion war auch die Tatsache, dass in kasachischen Colleges eine gewisse Lehrfreiheit herrscht. In der deutschen dualen Ausbildung ist der Ausbildungsinhalt komplett vorgeschrieben. Wäh- rend kasachische Colleges mit Erlaubnis des Bildungsministeriums eine 30 prozentige Freiheit des Lehrinhalts variabel gestalten können. Dies hat den Vorteil, entsprechend flexibel auf Angebote von Unternehmen besser einzugehen.
In einem abschließenden Statement verwies der Botschafter auf die Unterstützung von Seiten der Regierung von Kasachstan. Er bezeichnete die Deutsch – Kasachische Universität als Leuchtturmprojekt. Ein großes Ziel in diesem Zusammenhang ist, dass immer mehr deutsche Berufseinrichtungen wie Berufsschulen oder deutschen Unternehmen, die in Kasachstan tätig sind, aktiv in die Netzwerke von Ausbildungszentren und Kammern eingebunden werden. Kasachstan braucht hochqualifizierte Arbeitskräfte. Daher ist auch die Sprache ein wichtiger Aspekt.
Die Hochschulausbildung und die Berufsausbildung müssen in Kasachstan weiter entwickelt werden. Neue Projekte sollen gefördert und initiiert werden. Große Firmen wie Knauf, Claas, Bosch oder Siemens sollen nach Kasachstan kommen. Mit großer Begeisterung verwies S. E. Nurlan Onzhanov nochmals auf Prof. Dr. Rommel: „Wir brauchen Enthusiasten, so wie Prof. Dr Rommel, der Projekte vorantreibt“.
Das Veranstaltungsformat war ein voller Erfolg. Der „Runde Tisch“ bestätigte das große Interesse beider Seiten an der Entwicklung der Bildungs- und Wissenschaftspartnerschaft. Gleichzeitig zeigte sich, dass ein solches Veranstaltungsformat zu einer wichtigen Plattform für den Erfahrungsaustausch, für das Knüpfen neuer Kontakte und die Festlegung weiterer Schritte der Zusammenarbeit, hervorragend geeignet ist.


