Auftakt gelungen: “ Wirtschaftsdialog Afrika“ von LIM und der CDU Mittelstandsvereinigung/Kreis Tübingen

Es war eine doppelte Premiere, die da am 27. September 2019 beim Veranstaltungspartner REFU Elektronik in Pfullingen (Landkreis Reutlingen) erfolgreich über die Bühne ging: Zum ersten Mal nach Beendigung eines langjährigen Krieges im Jahr 2018 präsentieren führende Vertreter von Äthiopien und Eritrea dem deutschen Mittelstand ihre aufstrebenden Länder – und zum ersten Mal entwickelten die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU, vertreten durch den Kreisverband Tübingen, gemeinsam mit dem Liberalen Mittelstand (LIM) ein neues Veranstaltungsformat.

Das gemeinsame Fazit von Dr. Thilo Scholpp, LIM-Landesvorsitzender, und Falk W. Föll, MIT-Vorsitzender Kreis Tübingen, fiel demnach sehr positiv aus: „Wir wollen mit der neuen Reihe parteiübergreifend die Wirtschaft im Lande unterstützen und insbesondere die großen Chancen und Geschäftsansätze aufzeigen, die sich jetzt und in naher Zukunft in Afrika für Mittelständler ergeben.“ Das Konzept vom „Wirtschaftsdialog Afrika“ ist: Länderpräsentationen mit Diskussion und Austausch von Mittelstand, Beratern und Politik verbinden sowie Best Practice Beispiele zeigen. Letzteres erfolgt durch ausgewählte Mittelständler, die bereits in afrikanischen Märkten tätig sind.

Äthopien und Eritrea suchen Investoren und Ideen

Was begeisterte die über 60 Gäste in Pfullingen? Letztendlich das gesamte Veranstaltungsformat – inklusive leckerem gewürzten Kaffee aus Eritrea und Linsenmus mit Fladen aus Äthiopien. Im Mittelpunkt standen aber die kompakten Länderpräsentationen Äthiopiens und Eritreas. Die Nachbarstaaten liegen in Ostafrika, am Horn von Afrika und verfügen über Meerzugang. Rund 20 Jahre führten beide erbitterte kriegerische Auseinandersetzungen – erst im letzten Jahr unterzeichneten die Staatschefs eine Friedenserklärung. Und schon jetzt lässt sich erkennen, wie wertvoll dieser Schritt für die Länder ist: Es herrscht Aufbruchstimmung und ein positives Klima für Investoren, Wachstum und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Keiner wünscht sich die alten Zeiten zurück.

Für Äthiopien sprach Generalkonsul Fekadu Beyene, wichtige ergänzende Informationen lieferte Dr. Thomas Breitling, der das Land als Honorkonsul in Baden-Württemberg vertritt. So beträgt das Wirtschaftswachstum in Äthiopien jährlich 11 Prozent, rund 60 Prozent der Bevölkerung ist unter 30 Jahre. Erstmals in der Geschichte eines afrikanischen Landes wurde eine Frau zur Präsidentin berufen und von 20 Ministerien sind 10 unter weiblicher Führung. Äthiopien ist zwar Kaffee-Exporteur Nummer 1 in Afrika, will aber in weiteren Gebieten wachsen – etwa in der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie sowie in Agrar- und Lebenmittelproduktion.

Wunderschönes Eritrea – Toplage am Meer

Eritrea stellte Botschaftsabteilungsleiter für Investition und Technologie Yohannes Eyasu, der sich an der Berliner Botschaft um Wirtschaftsangelegenheiten kümmert, bewusst als „Nischenanbieter“ vor. Das Land ist klein, hat rund 7 Millionen Einwohner, aber 1000 km Küste. Über die Hälfte davon steht unter Naturschutz und ist sehr fisch- und korallenreich. Hinzu kommen Hochlandflächen bis zu 3500 Meter und wertvolle Bodenschätze. „Unser Land will selbstständig wachsen“, sagte Yohannes Eyasu. „Wir haben in Eigenregie viele Staudämme gebaut und können so Trinkwasser auf die Hochebenen leiten.“ Wo können Mittelständler in Eritrea starten? In der Bauwirtschaft, Hafenlogistik, Fischwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, im Tourismus und, wie in Äthopien, bei Strom- und Energieerzeugung sowie bei Infrastrukturvorhaben. Begleitet wurde Yohannes Eyasu von Herrn Teclu Lebassi, Abteilungsleiter für Public Diplomacy und Medien.

Die Gastgeber mit den Rednern aus Äthopien und Eritrea. Zweiter von links: Äthopien-Honorarkonsul Dr. Thomas Breitling, Stuttgart

Ein Kontinent im Focus

Nachdem die Länder Äthopien und Eritrea im Einzelnen vorgestellt wurden, erhielten die Gäste des „1. Afrikaforums“ weitere aktuelle Zahlen und Fakten zum ganzen Kontinent. Hierfür konnte Michael Monnerjahn vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft gewonnen werden. Der Außenwirtschaftsverband hat über 550 Mitglieder und hilft Mittelständlern beim Markteintritt in Afrika. Monnerjahn stellte das neue KfW-Fördertool Africa Connect vor, das kleinere und mittlere Unternehmen mit Darlehen und Consulting hilft. In seinem Kurzreferat ermutigte er alle Teilnehmer, in Afrika aktiv zu werden. „Bislang gibt es nur 1,5% Direktinvestitionen deutscher Firmen und davon gehen 60 % nach Südafrika“.

Kooperation und Unterstützung kann auch über die UNIDO abgerufen werden. Hendrik Theisen präsentierte diese UN-Sonderorganisation, die industrielle Entwicklung in Entwicklungsländern und Reformstaaten nachhaltig fördert. Viele wichtige Eindrücke und Fakten nimmt auch Andreas Glück mit aus Pfullingen. Der frischgebackene FDP-Abgeordnete im Europaparlament war Gast und hielt eine kurze Begrüßung.

Afrikakenner und erfolgreiche Unternehmer berichten

Sehr große Beachtung fanden die Kurzvorträge ausgewählter Unternehmen sowie die Produktpräsentationen. LIM-Landesvorsitzender Dr. Thilo Scholpp fasst zusammen, was alle Gäste positiv registrierten und mit Applaus bedachten: „Die Zeiten, in denen deutsche Unternehmen nur ihre Produkte verkaufen wollten oder erprobte deutsche Anwendungen einfach 1:1 nach Afrika transformierten, sind zum Glück vorbei. Nachhaltige Partnerschaft ist das Stichwort, nutzbringende Lösungen, die idealerweise von den Menschen vor Ort installiert und gewartet werden können.“ In einem separaten Beitrag auf dieser Webseite stellen wir  die Partner-Unternehmen des „1. Wirtschaftsdialogs Afrika“ vor.

Zielgruppe Mittelstand in Baden-Württemberg

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Wirtschaftsdialog Afrika – Kontinent im Aufbruch“ ist für Ende Januar 2020 geplant. Sie wird sich mit einem ausgewählten Teil Westafrikas beschäftigen. Gerne senden wir Ihnen eine Einladung zu. Kontakt über Telefon 0711 – 666 18 25 oder info@lim-bw.de

Die Veranstaltung fand bei REFU Elektronik GmbH (Prettl Group) in Pfullingen statt

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