„Bei den Überlegungen, wie man freie Ausbildungsplätze besetzen kann, hat das Thema Integration zurzeit eine wichtige Rolle. Auch bei uns im Landkreis Miesbach, bleiben immer mehr Ausbildungsplätze ungenutzt“, sagte Ursula Lex, die bayrische Vorsitzende des Liberalen Mittelstandes und Ortsvorsitzende der FDP, zur Eröffnung des Themenabends „Handwerk und Integration“

Als Special Guest und Referent hatte die FDP, den Bundestagsabgeordneten Muhanad Al-Halak eingeladen. Dieser hatte im Vorfeld die Handwerksbetriebe „Jännert Planen und Fahrzeugbau GmbH“ in Kirchheim bei München und die „Lex GmbH“ in Miesbach besichtigt. Al-Halak kam im Alter von 11 Jahren aus dem Irak nach Deutschland. Er ist inzwischen deutscher Staatsbürger und unter anderem Mitglied im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Inneres und Heimat. Seine Biografie liest sich als Erfolgsgeschichte gelungener Integration.

Lex, die sich als Vertreterin des Handwerks versteht, hob noch besonders hervor, dass Al-Halak seinen Weg, trotz bester Schulnoten, ohne Studium gegangen ist. Vor seinem Einzug in den Bundestag war er Abwassermeister und hatte sich die Kosten für die Meisterschule (rund 15 000,- €) selbst, von seinem Ersparten finanziert.

Auf die Frage, was seiner Meinung nach die wichtigsten Grundlagen für eine positive Integration wären, antwortete Al-Halak „Sprache, Wille und Ehrenämter. Vor allem das Ehrenamt, ist eine sehr gute Möglichkeit Land, Sprache und Leute kennen zu lernen.“

Bèatrice Vesterling, die FDP-Kreisvorsitzende wollte von Al-Halak konkret wissen, was denn noch von Amtlicher Seite für die Integration getan werden müsste, um vor allem die aktuelle Flucht aus der Ukraine erfolgreich zu managen. Dieser zählte Bürokratie, nicht anerkannte Schul- und Berufsausbildung und schlecht gemachte Abschiebepraxis zu den großen Hürden, die den Integrationswilligen 2015 in den Weg gelegt wurden. Leider werden immer noch zu oft gut integrierte und ausgebildete Geflüchtete abgeschoben, weil die sich an die Regeln halten und leicht zu greifen sind. Die schlecht integrierten blieben hingegen oft verschont. Aber wir haben schon dazu gelernt und die neue Regierung ist dabei die Bedingungen nun zu einer sinnvollen Integrationsbasis umzugestalten.

So werden bei den geflüchteten aus der Ukraine, die Schul- und Ausbildungsabschlüsse unbürokratisch anerkannt und die Meldebürokratie verschlankt. Trotzdem gäbe es nach Al-Halaks Meinung noch viel zu tun. Immer noch wäre z.B. die Unterbringung und Integration von Geflüchteten ohne ehrenamtliche Helfer nicht zu stemmen. Er habe demnächst wieder einen Termin im BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), bei dem er die hohe Belastung für die ehrenamtlichen Helfer und die schlechte finanzielle Ausstattung der Kommunen zu Sprache bringen wird.

Aber auch selbst ist der Abgeordnete noch immer ehrenamtlich aktiv. „Als ich nach Ausbruch des Krieges am Bahnhof mithalf, um die ankommenden Ukrainischen Geflüchteten zu unterstützen, habe ich mich besonders gefreut, dass dort auch viele Araber und Nordafrikaner mithalfen, für die es eine Selbstverständlichkeit war, den Menschen in ihrer Not weiter zu helfen“. So Al-Halak.

Zum Abschluss des Abends fragte Lex noch welche Sprachen er denn sprechen könne. Al-Halak antwortete augenzwinkernd „Träumen tue ich auf Deutsch, aber ich kann natürlich auch arabisch, englisch und a wengal Boarisch“.

Liberaler Themenabend „Handwerk und Integration“ – Ehrenamt ist ein Schlüssel zur Integration

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